Samstag, 28. März 2020

Der gepflegte Blick auf vergessene Subgenres: Trip-Hop

Was zeichnet Trip-Hop aus? Schwere, düstere und sehr fette Beats, die ganz klar im HipHop verwurzelt sind. Ein sehr ruhiges Tempo. Schwebend, irgendwie drogen-beeinflusst. Vom Gesang her teilweise im Jazz, teilweise im klassischen Singer-Songwriter-Bereich verankert. Aber eben die fetten Beats. Ja, und die zahlreichen Samples sind überall. Mit dem Sampling zeigt man seinen guten Geschmack. So auch die einschlägigen Künstler.



Massive Attack - die sich während des 1. Iran-Krieges temporär nur Massive nannten - waren mir aufgrund des Songs "Unfinished Symphaty" und dem damaligen Video auf MTV und Super Channel Anfang der 90er noch bekannt. Das war eigentlich Radiomusik. Das Genre Trip-Hop war für mich noch nicht geboren, auch wenn es die wichtigsten Künstler aus dem Kollektiv "The Wild Bunch" bereits gab. Massive Attack und Tricky, der seinerzeit noch Tricky Kid hieß.



Seinen kommerziellen Höhepunkt erreichte das Subgenre Mitte der 90er-Jahre mit den Alben von Tricky (Maxinquaye), Massive Attack (Protection) und Portishead (Dummy und Self-titled). Das Genre wurde als "Sound of Bristol" bekannt, da die Künstler aus der englischen Stadt Bristol kamen.



Nach den vorgenannten großen Alben wurde es wieder ruhig um das Genre. Der "Sound of Bristol" hatte sich bereits Ende der 90er-Jahre in kommerzieller Hinsicht mehr oder weniger erledigt. Portishead benötigten 11 Jahre bis zur nächsten Veröffentlichung 2008 und sind auch seither wieder verschwunden.



Geblieben sind allerdings zwei kleine, aber feine Labels, die weiterhin Musik aus dieser Richtung veröffentlichen: Mo Wax und Ninja Tune. Künstler wie Amon Tobin, The Herbaliser oder Kid Koala waren nicht so erfolgreich wie Massive Attack, Portishead oder Tricky, haben sich aber über die Jahre etabliert.

Und noch zwei kleine Randnotizen:

Wer die Songs "Glory Box" von Portishead und "Hell is round the corner" von Tricky vergleicht, wird feststellen, dass dort jeweils ein Sample aus dem Isaac Hayes Album "Black Moses" genutzt wird, was in der Szene und zu jener Zeit für ein gewisses Maß an Verwirrung sorgte.



Tricky spielte 1996 einen Gig im Bockenheimer Depot in Frankfurt. Ich habe weder davor, noch danach ein Konzert erlebt, dass derart unter dem Eindruck von Dope stand, wie jenes Konzert. Selbst die Veranstalter wussten irgendwann nicht mehr, wann das Konzert vorbei war und wann nicht. Mehrfach gingen die Lichter im Saal an, der kiffende Tricky hat mit seiner Band aber einfach weitergespielt.


Donnerstag, 26. März 2020

Der gepflegte Blick auf vergessene Subgenres: Shoegazing

Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre hat sich ein Subgenre des Indie-Rock herausgebildet, das auf den Namen "Shoegazing" lautete und ein kleines Revival seit den Mitt-2010ern erlebt. "Auf die Füße starren" kann man das mehr oder weniger frei übersetzen.

Die Musiker waren in der Regel introvertiert, vielleicht auch schüchtern und richteten den Blick oft gen Boden. Das hatte seine Ursache aber sicherlich auch darin, dass für diese sehr noiselastige Musik zahlreiche Effektgeräte am Boden bedient werden mussten.


Die Basis für diese Musik haben die Cocteau Twins und The Jesus & Mary Chain gelegt, zu den großen namhaften Vertretern dieses Genres zählt man an erster Stelle My Bloody Valentine, Ride, Slowdive, Lush und  Chapterhouse.


Seinen Höhepunkt erlebte das Genre in den Jahren 1992/1993, dann kam der wesentlich publikumsfreudigere BritPop um die Ecke und löste das kleine feine Genre mehr oder weniger in sich auf. Wer sich die ersten Alben von Blur und Oasis anhört - besonders Leisure von Blur - wird festestellen, dass die damaligen BritpPop-Bands klar ihren Ursprung in diesem Subgenre hatten.

Nachdem es still wurde um Shoegazing und die großen Bands, kehrten sie plötzlich ab den späten 10er-Jahren reihenweise zurück. Den Anfang machten My Bloody Valentine, gefolgt von Ride und Slowdive sowie zuletzt Lush. Die neuen Alben klingen fast mehr nach dem klassischen Früh-90er-Sound, denn die damaligen Platten. Highlights sind hier klar Star Roving von Slowdive und All I want von Ride.


Es gibt zahlreiche Alben zu entdecken. Zum vertieften Shoegazing-Event in den eigenen vier Wänden empfehle ich zwingend:

The Jesus & Mary Chain - Psychocandy
My Bloody Valentine - Loveless
Slowdive - Souvlaki
Ride - Nowhere


Montag, 23. März 2020

Klassiker der Musiksprechstunde - "What a waste"

Wenn es um Klassiker der Musiksprechstunde und die All-Time-Faves geht, dann fällt mir der Einstieg bei Sonic Youth besonders schwer. Diese Band begleitet mich jetzt seit gut 24 Jahren.



Entdeckt habe ich Sonic Youth für mich persönlich am 07. April 1996 in der Philipshalle in Düsseldorf bei der sogenannten Osterrocknacht. Ich kannte die Band bis dahin nahezu überhaupt nicht, hatte lediglich eine überspielte Kassette mit dem Album "Dirty", welches ich aber bis zu jenem Abend allenfalls ein oder zweimal gehört hatte.



Eigentlich waren wir wegen Cypres Hill, Headcrash (Crossover aus Deutschland, kennt die heute noch jemand?), Garbage und natürlich den Smashing Pumpkins dort. Sonic Youth hatte ich nicht auf dem Schirm, blieb beim Beginn ihres Auftritts einfach stehen und war dann ab der ersten Sekunde geflasht. Es war Liebe auf den ersten Live-Ton, die bis zum heutigen Tage nicht mehr vergehen sollte.

Diese Feedbacks, dieser Krach, dieses Ausufernde, das Experimentelle und doch immer noch die Struktur am Ende, zu der die Band selbst zurückfinden konnte.

Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich danach alle verfügbaren Alben, allen voran "Washing Machine" und "Daydream Nation" im Original gekauft habe. Auch in den Folgejahren bin ich Sonic Youth bis zu ihrem Split treu geblieben. Jede Platte wurde direkt nach dem VÖ gekauft.

In der Musiksprechstunde wurden sie wieder und wieder gespielt. Neben Pearl Jam sicherlich einer meiner beständigsten All-Time-Faves. Eine Zusatzsendung, die ich Ende der 90er bei Radio RheinWelle moderierte hatte passenderweise den Namen "Schalljugend" und dreimal darf man raten, welche Band dort in jeder Ausgabe gespielt wurde.

Aktuell läuft gerade wieder das 2006er Album "Rather Ripped", welches im Vergleich zu den frühen Platten geradezu poppig daherkommt und gar nicht mehr diese noise-lastigen Ausfälle hat, was aber kein Nachteil ist.



Kim Gordon, Thurston Moore und Lee Ranaldo veröffentlichen seit dem trennungsbedingten Split des Ehepaares Gordon/Moore wunderbare Solo-Alben, wobei ich zugeben muss, dass mir die Platten des Herrn Lee Ranaldo die liebsten sind.

Klassiker der Musiksprechstunde - "Ich möchte einen Anwalt"

Ich habe bereits angekündigt, dass es künftig mehr Beiträge über den Blog geben wird. Hier sind wir mit dem ersten offiziellen Teil der "Klassiker"-Reihe. Den Anfang machen "Die Sterne", die gerade mit einem neuen Album am Start sind und mich nach dem eher mediokren "Flucht in die Flucht" aus dem Jahr 2014 wieder richtig begeistern konnten. 

Neben Blumfeld und Tocotronic waren sie einst das Aushängeschild der Hamburger Schule. Den Song "Universal Tellerwäscher" hatte ich auf der Compilation "Das wahre Leben", einer Doppel-CD zur gleichnamigen Fernsehserie des Bezahlsenders Premiere.Praktisch der analoge Vorläufer zu Sky, Netflix und Prime.


Mit der Gruppe "Die Sterne" verbinde ich so die ein oder andere Erinnerung. Nach meinem Start bei Radio RheinWelle 92,5 versuchten wir die Band aus Anlass des damaligen Folklore im Garten Festivals in Wiesbaden anno 1997 oder 1998 zu interviewen. Die Band war nicht begeistert und es gab einen ordentlichen Korb vor Ort. Meine Begleiter und ich konnten sehen, wie Frank Spilker und seine Bandkollegen beim Kartenspielen dankend abwinkten.

Anders sah die Situation dann 2006 aus. "Die Sterne" hatten gerade das Album "Räuber und Gedärm" veröffentlicht. Kurz vor dem Gig im Mousonturm in Frankfurt gab es einen Interview-Termin mit Frank Spilker, der sehr gut aufgelegt war und sich richtig ordentlich Mühe machte. Das Interview schlummert auf einer alten Mini-Disc und sollte irgendwann noch - mit über 14 Jahren Verspätung - endlich gesendet werden.


Aktuell sind "Die Sterne" mit dem selbstbetitelten neuen Album am Start. Auch wenn von den einstigen Gründungsmitgliedern nur noch Frank Spilker an Board ist und zahlreiche neue Leute musikalisch aushelfen, so klangen "Die Sterne" nie mehr nach dem alten Sound, denn heute anno 2020. Meine derzeitige Lieblingsplatte und ein erstes großes Highlight in diesem Jahr. 

Samstag, 21. März 2020

Klassiker der Musiksprechstunde

Geschätzte Hörerinnen und Hörer, 

bislang dient dieser Blog ausschließlich der Dokumentation der Playlists.

Aus Anlass der derzeitigen Corona-Krise und den nicht weiter absehbaren Entwicklungen, soll der Blog jetzt aber auch als ergänzendes Forum der Musiksprechstunde dienen. Sollten weitere Sendungen wegen drohener Ausgangsperren etc. nicht stattfinden können, bzw. für mich aufgrund der jeweiligen Anreise nach Wiesbaden in einem außerverhältnismäßigen Aufwand und Risiko stehen, dann gibt es wenigstens noch den gepflegten Blog. 

Sollte sich die Pandemie und alle damit verbundenen Themen hoffentlich zeitnah erledigen, dann gibt es sicherlich eine schnelle Rückkehr zur Normalität. Falls nicht, dann wird dies eine Fortsetzung, Ergänzung und eines Tages vielleicht auch der komplette Ersatz der Sendung werden. 

Hier zunächst ein Klassiker, den ich vielfach in meiner Sendung gespielt habe. Eine Band, die neben Sonic Youth und Pearl Jam zu meinen unangefochtenen All-Time-Faves zahlt. Meine Damen und Herren, Vorhang auf für Stereolab: 

Playlist der Musiksprechstunde vom 01.03.2020

Der Tod von David Roback und das neue Album von Die Sterne standen am 01.03.2020 in der Zeit von 16 bis 17 Uhr im Vordergrund:

1. Weezer – The World has turned and left me…. (Geffen/Universal)
2. Galaxie 500 – Oblivious (Domino/GoodToGo)
3. Mazzy Star – Disappear (Capitol/Universal)
4. Kendra Smith – In your head (4AD/Rough Trade)
5. The Düsseldorf Düsterboys – Kaffee aus der Küche (Staatsakt/Bertus)
6. Die Sterne – Der Palast ist leer (PIAS/Rough Trade)
7. Die Sterne – Der Sommer in die Stadt wird gefahren (PIAS/Rough Trade)
8. Nicolas Godin – What makes me think about you (Universal)
9. Stereolab – The Free Design (EastWest/Warner)
10. Blur – Chemical World (Food/Parlophone/EMI)

Playlist der Musiksprechstunde vom 16.02.2020

Die Sendung am 16.02.2020 in der Zeit von 16 bis 17 Uhr stand noch im Zeichen der Hamburger Schule und der "Spätfolgen":

1. Thees Uhlmann – Zum Laichen und Sterben ziehen … (GHvC/Indigo)
2. Die Aeronauten – Eddie und ich (Tom Produkt/ L´Age D´Or)
3. Die Sterne – Hier kommt die Kaltfront (V2/Rough Trade)
4. Virginia Jetzt! – Fast wie Giganten (Motor/Universal)
5. Sportfreunde Stiller – Jetzt haben wir´s Euch gezeigt (Blickpunkt Pop)
6. International Music – Für alles (Staatsakt/Caroline/Universal)
7. Paula – Von guten Eltern (Orbit Rec./Universal)
8. Die Heiterkeit – Was passiert ist (Buback/Indigo)
9. Spillsbury – Die Wahreit (L´Age D´Or/Rough Trade)
10. Ocker – Gang of 4 (Pop-Up/Cargo)
11. Tocotronic – Hi Freaks ((L´Age D´Or/Zomba)
12. Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – Jeder auf Erden ist …. (Tapete/Indigo)